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Beruflich etabliert, Familienplanung abgeschlossen, im Leben angekommen – so geht es vielen Menschen mit Eintritt in das fünfte Lebensjahrzehnt. Zwischen 40 und 55 Jahren haben sie im besten Fall einen reichen Erfahrungsschatz und ein gefestigtes Selbstbild. Genau das trägt dazu bei, den Status quo kritisch zu beleuchten. Lasse ich das so oder habe ich den Mut, etwas zu ändern? Bei Frauen führen die Wechseljahre, die so genannte Perimenopause, oft zwangsläufig zu einer einer neuen Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen und Bedürfnissen, doch auch Männer hinterfragen bisherige Vorlieben und Praktiken, bspw. wenn vermehrt sexuelle Funktionsstörungen auftreten.
In Österreich unterstützt Professorin Bettina Toth Patientinnen in der Perimenopause. Ihr Ziel ist es, dass Frauen gesund alt werden und dazu gehört eine erfüllende Sexualität. In ihrer Sprechstunde am Universitätsklinikum Innsbruck berücksichtigt sie allgemeinen Gesundheitszustand, Hormonstatus und Paardynamik. Die Soziologin Barbara Rothmüller erforscht an der Sigmund Freud Privatuniversität, wie sich sexuelle Identität, Fantasien und Ausmaß der Lust im Lebensverlauf verändern. Bei einigen Menschen ist plötzlich alles neu, so wie Anna aus Berlin. Sie lebte lange monogam mit ihrem Ehemann zusammen, dann polyamor mit verschiedenen Partner*innen und ist heute mit einer Frau verheiratet. Heike und Frederic aus Wien sind Ende 40, fühlen sich aber wie Teenies. Sie sind erst seit einem Jahr zusammen und bestätigen das Ergebnis wissenschaftlicher Befragungen: Frisch verliebte ältere Paare können ein weitaus aktiveres Sexualleben haben als junge Paare in Langzeitbeziehungen.
Genauso wichtig die Unterstützung durch Expert*innen ist ein offener Austausch über die bisherigen Erfahrungen und das persönliche Erleben. Der fällt den über Vierzigjährigen noch immer nicht ganz leicht. Doch in Podcasts, Selbsthilfegruppen, Freundschaften und Partnerschaften kommen auch sie immer häufiger ins Gespräch und legen so den Grundstein für eine erfüllendere Sexualität in der zweiten Lebenshälfte.