© Susanne Dobler
Die einen wollen friedlich feiern, die anderen kreischen nach Krawall. Damit das Nachtleben nicht aus den Fugen gerät, gibt es Türsteher und Security. Vor Clubs und dort, wo die Kriminalitätsrate hoch ist. Ein oft riskanter Job, der Fingerspitzengefühl braucht, denn die Zeiten sind rauer geworden. Es wird schnell laut, es wird geschimpft, beleidigt, gespuckt und schnell auch zugeschlagen.
Türsteher sind die Gatekeeper oder Bouncer. Sie entscheiden, wer in den Club eingelassen und wer abgewiesen wird. Von ihnen hängt ab, ob es an Bar und auf der Tanzfläche ruhig bliebt oder Stress gibt. Sie arbeiten in Clubs, Discotheken, Partys, Feste, Tanzcafés und Bordellen.
»Ohne Türsteher geht es in fast keinem Lokal mehr«, sagt ein Türsteher. »Bedienungen können sich nicht wehren und viele Gäste auch nicht, wenn es eskaliert. Ein erfahrener Türsteher erkennt Problemklientel schon von weitem. Wir sind gleichzeitig Sozialarbeiter, Psychologen, Pfarrer und Hellseher. Ohne Menschenkenntnis ist man in dem Job völlig falsch. Manchmal komme ich mir vor wie im Zoo. Es gibt Männer, die es gar nicht mögen, wenn gerempelt wird. Die flippen aus. Man muss es vorhersehen können und deeskalieren.«
Die Reportage taucht ein in die Welt der deutschsprachigen Türsteher- und Club-Szene. Ein seltener Einblick in eine Arbeitswelt von Menschen, die sich nicht gerne in die Karten und hinter die Kulissen schauen lassen. Wir wollen erfahren, wer die Spezialisten sind, die »die Tür machen«. Wie wählen sie die Gäste aus? Mit welchen psychologischen Tricks vermeiden sie Konflikte vor dem Etablissement? Gleichzeitig sind sie für die Sicherheit der Gäste zuständig, indem sie beispielsweise Taschen nach Waffen und Drogen untersuchen und Unruhen, insbesondere gewalttätiger Natur, schlichten oder auflösen. Und wie sehr haben Clubs mit organisierter Kriminalität zu tun?
Rafael, Rainer und Sandra bereiten sich mit ihrem Team auf eine lange Party in der Großraumdisco »E-Dry« vor. Bis zu 3.000 Gäste werden in Geldern nahe der Grenze zu den Niederlanden erwartet und bei solchen Veranstaltungen fließt in der Regel viel Alkohol. Das »Bootshaus« in Köln wird regelmäßig in die Top-Ten der besten Klubs der Welt gewählt – ein Ruf, den Andrea Giarrizzo an der Tür Nacht für Nacht rechtfertigen muss. Genauso wie Anke Henkel, die in Kaiserslautern vor dem Klub »Markthalle« arbeitet. Die 1,82 Meter große ehemalige Kampfsportlerin wacht über die Tür des Klubs. Ihr Spitzname ist die »Schwarze Göttin« und sie sagt von sich: »Ich liebe die Arbeit in der Nacht. Hier kann ich so sein, wie ich will.« Das Publikum ist sehr international – auch durch viele amerikanische Gäste, denn die US-Airbase Ramstein liegt nur wenige Kilometer entfernt. Insgesamt leben in der Region um Kaiserslautern rund 50.000 Amerikaner einschließlich ihrer Familien. Mirko Ferenczy hat es im Frankfurter Bahnhofsviertel immer wieder mit speziellen Krawallbrüdern zu tun. »Die Sitten sind rauer geworden, die Hemmschwelle zuzuschlagen ist deutlich gesunken.«