Der "Fall Lügde" war eine jener überregionalen Nachrichten aus den Jahren 2018 und 2019, die sich verstörend in das öffentliche Bewusstsein frästen: Mutmaßlich zwei Haupttäter verüben auf einem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen, einem beschaulichen Ort im Weserbergland in Nordrhein-Westfalen, über zwanzig Jahre ungestört sexuelle Verbrechen an mindestens 32 Kindern. Ein Dritter nimmt regelmäßig via Livestream teil. Man findet zudem ca. 14 Terabyte an Missbrauchsbildmaterialien. Trotz Hinweisen ans Jugendamt auf die Täter durch eine Angestellte des Jobcenters, Mitarbeiter des Kindergartens, eine Mitarbeiterin des Kinderschutzbundes sowie besorgte Bekannte, wird den Hinweisen nicht nachgegangen, die Polizei von den Ämtern nicht eingeschaltet.
Die Mutter eines Opfers zeigt den Haupttäter 2018 schließlich wegen wiederholten Missbrauchs ihrer Tochter an und bringt so den Fall ins Rollen. Nach der Verhaftung im Dezember 2018 werden die geständigen Täter im September 2019 zügig verurteilt. Während der Nachforschungen kommt es jedoch zu zahlreichen Ermittlungspannen der Polizei, die bis heute nicht vollständig aufgeklärt sind. Die Täter sitzen derzeit ihre langjährigen Haftstrafen ab. Sie erwartet im Anschluss die Sicherheitsverwahrung.
Die Dokureihe "Die Kinder von Lügde – Alle haben weggesehen" versucht in vier Folgen herauszufinden, wie es möglich war, dass so viele Menschen weggesehen haben: auf dem Campingplatz, im Ort, bei den Jugendämtern, bei der Polizei.