ARTE Re: Erzfeinde im Kosovo - Albaner und Serben streiten um Trepĉa-Mine

DIENSTAG, 22. März 2022, 19.40 - 20.15 Uhr, ARTE

Miodrag Kragović ist Bürger Kosovos – und Serbe. Und auch 14 Jahre, nachdem Kosovo seine Unabhängigkeit erklärt hat, vertritt er die offizielle Meinung Belgrads, dass sein Land noch eine Provinz Serbiens ist. Miodrags Abneigung gegen seine ethnisch-albanischen Landsleute geht so weit, dass er für eine Operation lieber sechs Stunden Fahrt in die Hauptstadt Serbiens auf sich nimmt, als sich im nur 40 km entfernten Pristina, der Hauptstadt Kosovos, behandeln zu lassen.

Mitrovica, in dem die Zentrale des Bergbaukonzerns Trepĉa steht, ist wie ganz Kosovo geteilt: Der Fluss Ibar trennt den Nordteil vom Süden. Eine Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten gibt es so gut wie nicht. Ohne die brachliegende Zinkhütte und Bleischmelze im serbischen Teil, wo auch Miodrag früher gearbeitet hat, können die geförderten Erze nicht weiterverarbeitet werden, und mögliche Profite bleiben dadurch aus.

Bergmann Eset Meha aus dem Süden Mitrovicas kann sich seit dem Kosovo-Krieg nicht vorstellen, je wieder mit einem Serben zusammenzuarbeiten. Doch ohne Kooperation ist die Existenz des Konzerns bedroht.

Der Kosovo-Albaner Mustafa Bajram ist von der Regierung eingesetzt, um zwischen den nördlichen und südlichen Konzernteilen zu vermitteln. Er kann die Erinnerung an Gräueltaten aus dem Krieg nicht verdrängen. Noch heute fällt es ihm schwer, serbisch zu sprechen – auch wenn er die Sprache beherrscht. Doch im Interesse von Staat und Konzern nimmt er es auf sich und verhandelt mit dem Norden in der Sprache des ehemaligen Feindes.