ARTE Re: Angst vor Russlands Panzern - Moldawien und der Krieg in der Ukraine

DONNERSTAG, 24. März 2022, 19.40 - 20.15 Uhr, ARTE

Rund 350.000 Menschen sind vor den Angriffen der russischen Armee von der Ukraine ins Nachbarland Moldawien geflohen. Die Hilfsbereitschaft der Moldawier ist überwältigend. Viele räumen teilweise ihre ohnehin kleinen Wohnungen. Andere, wie Anatolie Botnaru, stellen ihre Hotels und Feriendomizile kostenlos zur Verfügung. Nach zwei Jahren Pandemie hatte der 54-järige Tourismusunternehmer auf eine gute Saison gehofft. Nun nimmt er Menschen in Not auf und denkt dabei vor allem an jene, die keine Möglichkeit haben, Richtung Westen weiterzuziehen. Das Personal arbeitet im Wissen, dass es ohne Einnahmen auch keinen Lohn gibt. „Wer weiß“, sagt Botnaru, „wenn der Wahnsinn im Nachbarland weitergeht, sind wir womöglich die nächsten, die auf der Flucht sind.“

Tatsächlich macht sich im ganzen Land Angst vor den Russen breit. Denn auch Moldawien war früher Teil der Sowjetunion. Der Osten des Landes, an der Grenze zur Ukraine, wo vor allem Armeeangehörige und deren Familien lebten, hat sich bereits von Moldawien abgespalten, ein Zwergstaat im Zwergstaat. 1992 gab es am Fluss Dnister Kämpfe mit Hunderten Toten. Das an manchen Stellen nur fünf Kilometer breite und 200 Kilometer lange Gebiet nennt sich seither Transnistrien und erklärte seine Unabhängigkeit, wird aber von keinem anderen Staat anerkannt.

Was geschieht, wenn die russische Armee ihren Vormarsch weitertreibt? Diese Frage stellen sich sehr viele Moldawier. Auch Lilia Brehov. Sie ist Bürgermeisterin des Dorfes Gura Bâcului, das unmittelbar am Grenzfluß liegt. Nun sind hier die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine angekommen und das bisher Undenkbare scheint wieder möglich: dass die Menschen, die das Wenige, das sie besitzen, großzügig teilen, bald selbst zu Flüchtlingen werden könnten.